ANKAUF ALTE FOTOTECHNIK

"Der nächste bitte!“, ertönt es vom Tresen des Fotoankaufs. Eine ältere Dame erhebt sich von einem Stuhl, greift einen gefüllten Stoffbeutel und geht nach hinten: Als die Dame – jenseits der 80 – in Ihrem Stoffbeutel herumkramt kommen eine Kamera, einige Objektive und ein Zielfernrohr zum Vorschein. Vorsichtig reiht Ankäufer Kluger die Gegenstände aus dem analogen Zeitalter auf einem Pult auf. Gern würde Sie diese Dinge bei Kluger gegen Bares loswerden. Denn der 35-Jährige Leipziger ist für die Firma "fototechnik-gegen-cash.de" tätig und weilt aller paar Monate in Magdeburg, um Kameras, Objektive, hochwertige Ferngläser, Mikroskope, Teleskope, Lupen und vieles weitere aus dem Fotobereich anzukaufen.

Vor 6 Jahren fing alles an mit einem Nostalgie Fotoladen in Leipzig. Inzwischen gibt es Geschäfte in Jena, Erfurt, Berlin, Braunschweig, Gotha, Dresden und Bautzen. Zur Gastmiete sind die Ankäufer immer mal in Dessau, Weimar und Magdeburg.

Die ältere Dame wartet geduldig, während der 35-Jährige die Kamera dreht und wendet, Auslöser und Rückspulauslöser betätigt und den Bereich, in den man den Film einlegt, unter die Lupe nimmt. „Am Geruch kann man erkennen, wo die Kamera gelagert wurde – in den meisten Fällen ist das leider der Dachboden oder der Keller. Weder Staub noch Feuchtigkeit tun diesen Apparaten gut.“ Diese sei jedoch in einem passablen Zustand. Auch die mitgebrachten Objektive – ein Tele- und ein Makroobjektiv – taugen noch etwas. „Nur den Belichtungsmesser werden Sie bei mir nicht los“, sagt Kluger seinem Gegenüber zugewandt. „Sowas benutzt heutzutage kaum jemand mehr.“

Und die alten Kameras? Wer braucht die noch im digitalen Zeitalter? „Da gibt es tatsächlich Abnehmer in den südostasiatischen Ländern … von China und Indonesien bis Vietnam. Und ältere, gut erhaltene Ferngläser werden beispielsweise in Russland und Saudi-Arabien gekauft. Kluger drückt seinem Gast, dessen Karton inzwischen nur noch den Belichtungsmesser beinhaltet, ein paar 20- und 50-Euro-Scheine in die Hand. „Besser als nichts“, meint die Dame mit einem Lächeln, „wäre doch sonst nur im Müll gelandet.“ Auch Kluger scheint zufrieden. Es kommt auch vor, dass ich mehr Geld ausgebe, weil jemand eine seltene Kamera oder eine Sonderedition vorbeibringt.

Unbezahlbar hingegen sind die Geschichten, die Kluger bei seinem Job zu hören bekommt. „Manche Menschen berichten mir alles aus ihrem Leben. Natürlich kann ich verstehen, wenn beim Anblick der Kamera Erinnerungen wachgerufen werden. Aber ich habe nicht immer die Zeit, mir alles bis ins kleinste Detail anzuhören, vor allem, wenn die Menschen warten“ So wie heute … kaum hat die ältere Dame sich verabschiedet, kommt schon der nächste Kunde aus dem Wartebereich an den Tresen.

Weitere Infos


Termine

Do, 10.10.2019 - 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr - Eintritt frei

Fr, 11.10.2019 - 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr - Eintritt frei